Jesper Bugge Kold – Die Mauer zwischen uns

Dieses Buch des dänischen Autors Jesper Bugge Kold ist kein Krimi, es hat aber einen so starken Eindruck auf mich gemacht, dass ich darüber hier trotzdem schreiben möchte.

Es ist die Geschichte eines Vaters und seines Sohnes, die sich im Leben niemals kennenlernten. Erst nach dem Tode seines Vaters Peter erschließt sich Andreas nach und nach dessen Leben.

Das Buch ist für Deutsche geschrieben, das halbe Deutschland, dass es nicht mehr gibt, besser zu verstehen. Der Autor geht mit einer Distanz völlig unbelastet an das Thema heran, wie es nur jemand tun kann, der dieses schwierige Thema vorher nicht betrachtet hat. Als sein Vater Peter 2006 ermordet wird, fährt Andreas aus Dänemark nach Berlin. Er möchte mehr über das Leben seines Vaters erfahren.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: ab Mitte der 70er Jahre, die Zeit des Vaters und die Zeit des Sohnes, 2006.

Peter macht eine steile Karriere bei der Staatssicherheit. Er ordnet sein ganzes Leben der Arbeit unter. Er lebt Stasi!

Der Leser erhält tiefe Einblicke in die Psyche des Stasioffiziers, in die Funtionsweise des gefürchteten Geheimdienstes, der alles und alle bespitzeln ließ.

Auf einem  Lehrgang für Kader ausländischer marxistischer Parteien lernt er 1975 eine junge Dänin kennen. Er hat mit ihr eine kurze Affäre. Nach ihrer Rückkehr nach Dänemark merkt sie, dass sie schwanger ist. Andreas wird geboren, aber beide denken nie daran, ob es möglich wäre, zusammen zu leben. So wächst Andreas behütet in Dänemark auf mit einem Stiefvater, zu dem er ein gutes Verhältnis hat. Andreas und Peter lernen sich niemals kennen, auch nicht nach dem Fall der Mauer. Erst als er die Nachricht vom Tode seines leiblichen Vaters erhält, will er mehr über ihn erfahren.

In Berlin lernt er seine Tante und seine Kousine Bea kennen, in die er sich verliebt. Sie hilft ihm auch bei seinen Erkundungen.

Nach und nach kommen Details aus Peters Leben ans Licht, die bei Andreas Ernüchterung hervorrufen und sein Leben komplett verändern.

Ich habe mich schon oft mit den Praktiken der Stasi auseindergesetzt, trotzdem war ich oft fassungslos. Die persönlichen Schicksale berühren immer wieder.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass ein Däne so verständlich darüber schreibt, wie Peter ein Rädchen in der Mühle der wird und alles als normal empfindet, worüber andere Menschen nur schaudern und Entsetzen empfinden.

Geschrieben für alle Leser, die an deutscher Geschichte interessiert sind.

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