Susanne Goga – Es geschah in Schöneberg

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Wenn es um Krimis der 20er Jahre geht, kommt man an Susanne Goga nicht vorbei. Leo Wechsler ermittelt jetzt schon zum 5. Mal und man schreibt  bereits  das Jahr 1927. Der sympathische alleinerziehende Vater ist inzwischen mit der Buchhändlerin Clara verheiratet und beruflich und privat läuft bei ihm alles sehr gut.

Die Schriftstellerin nennt im Nachwort selbst ihre Themen: Mode und Homosexualität im Berlin der Weimarer Republik. Über den zweiten Bereich habe ich schon verschiedene Bücher gelesen, es läuft darauf hinaus, dass Berlin als sehr offen galt und jeder seine Sexualität ausleben konnte. Um trotzdem erfolgreich zu sein, musste man sich jedoch eine Alibiwelt aufbauen und konnte nur hinter dieser Kulisse sein wahres Ich leben. Offiziell durfte es nicht werden, dann war es aus mit Erfolg und Kariere. Der Paragraph 175 wurde jedoch nicht streng angewendet, so dass strafrechtliche Konsequenzen wohl eher die Ausnahme waren.

Bei dem Thema Berlin als Modestadt hätte se für meinen Geschmack ruhig ein bisschen mehr sein dürfen, noch mehr Informationen und Details, die doch bei den Recherchen zum Thema sicher vorhanden sind.

Leo Wechsler bekommt diesmal gleich zwei Fälle auf den Tisch. Zum einen geht es um eine Modenschau, bei der Kontaktgift in den Kleidern versteckt wurde und die Models damit schwer verletzt wurden. Getroffen werden sollte damit jedoch das Atelier, das die Kleider entworfen hatte. Beim zweiten Fall geht es um den Mord an einem Mitarbeiter des Instituts für Sexualwissenschaft. Die beiden Fälle hängen anscheinend zusammen, aber es fällt Leo Wechsler schwer, dem Täter auf die Schliche zu kommen.

Der Leser erfährt wieder viel über das Alltagsleben des Kommissars, seiner Frau und seines heranwachsenden Sohnes. Hier bahnt sich schon ein Konflikt zwischen Vater und Sohn an, auf den aber noch nicht tiefer eingegangen wird.

Die Fälle und die Ermittlungen dazu fand ich sehr spannend, besonders Polizeiarbeit ohne DNA-Spuren, Handyüberwachung… Das Drumherum und das Privatleben von Leo Wechsler hätten für meinen Geschmack noch etwas mehr ausgebaut werden können.

Die 330 Seiten habe ich im Nu ausgelesen, es gibt keine Längen, die Dialoge sind sehr authentisch. Susanne Goga versteht es, den Leser mitzunehmen zu Befragungen von Nachbarn  oder ihn mit am Tisch sitzen zu lassen, wenn die Ermittlungsergebnisse im Team besprochen werden.

Das nächste Buch der Reihe, „Nachts am Askanischen Platz“, ist erst für Februar 2018 angekündigt. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

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